Babypuder: Johnson & Johnson zu 70 Millionen US-Dollar Schadenersatz verurteilt
Der auch in Deutschland aktive amerikanische Kosmetik-Konzern Johnson & Johnson muss einer Amerikanerin 70 Millionen US-Dollar Schadenersatz bezahlen, umgerechnet 63,7 Millionen Euro.
Grund: Eine Jury aus St. Louis fand Johnson & Johnson für schuldig, nicht ausreichend genug darüber aufgeklärt zu haben, dass das berühmte Johnson & Johnson Babypowder Krebs – und zwar Eierstockkrebs („Ovarialkarzinom“) – verursachen könne.
Die Klägerin, 59, hatte das Johnson & Johnson Babypuder 40 Jahre benutzt und war sicher, sie tue ihrem Körper damit etwas Gutes.
Nachdem eine US-Gerichtsjury der Frau nun 70 Millionen US-Dollar Schadenersatz zugesprochen hatte, sagte die langjährige Johnson & Johnson-Kundin sie habe „Freudentränen“ geweint , als sie von der Entscheidung der Jury erfahren habe:
„Es war eine lange umkämpfte Schlacht“, erklärte Deborah Giannecchini, aus dem kalifornischen Örtchen Modesto.
Sie sei einfach nur „begeistert und erleichtert gewesen“, dass es „vorbei ist“.
Das betroffene Johnson’s Baby Powder sei unter diesem Markennamen, schreibt nbcnews.com, bereits seit 1894 bekannt.
Nicht die erste Strafe
Die nun gegen Johnson & Johnson ausgesprochene Strafe ist nicht die erste ihrer Art gegen den US-Konzern. Vielmehr beschäftigen sich bereits diverse Gerichte mit den Krebs-Vorwürfen gegen das Babypuder, bekannt auch als Talkumpuder.
Bei Giannecchini war 2012 Eierstockkrebs diagnostiziert worden. Dass es nun überhaupt zu einer Klage gegen Johnson & Johnson gekommen ist, hat die Frau ihrer Tochter zu verdanken: Diese hatte zufällig einen TV-Spot gesehen, in welcher eine Rechtsanwaltskanzlei Hilfe für Frauen angeboten hatte, die wegen Eierstockkrebs klagen wollten.
Trotz des nun gesprochenen Urteils bleibt Johnson & Johnson bei seiner Darstellung und sagt, das Babypuder sei auch bei Langzeitnahme sicher, weshalb man nun in Revision gehen wolle. Dabei agiert der Kosmetik-Koloss in seiner PR ungewöhnlich akrobatisch:
„Wir empfinden zutiefst mit den betroffenen Frauen und Familien, die von Ovarialkarzinom betroffen sind“, sagte ein Konzernsprecher.
Doch trotz des Mitgefühls wolle man sich gegen das Gerichtsurteil wehren, da man wissenschaftliche Gutachten vorlegen könne, die belegten, dass das Johnson & Johnson Babypuder sicher sei.
Aufsichtsbehörde habe bislang keine weiteren Warnhinweise gefordert
Deshalb könne auch das nun gesprochene Gerichtsurteil das Unternehmen nicht davon überzeugen, dass weitere Warnhinweise auf das Babypuder von Johnson & Johnson angebracht werden müssten.
Dies habe auch, sagt das Unternehmen, niemals die zuständige US-Aufsichtsbehörde – also die amerikanische Food and Drug Administration – gefordert.
Bereits in anderen Klagen hatten Gerichtsjurys zwei Frauen zusammen 127 Millionen US-Dollar Schadensersatz, zahlbar von Johnson & Johnson, zugesprochen. Umgerechnet sind dies 116 Millionen Euro.
Auch in diesen beiden Fällen lautete der Vorwurf, jahrelange Anwendung des Babypuders habe Eierstockkrebs verursacht.
Über 2000 Klagen gegen das Babypuder
Mittlerweile haben über 2000 Frauen Klage gegen Johnson & Johnson und sein Babypuder eingereicht. Der 1886 gegründete Konzern stellt Arzneimittel, Medizinprodukte und Konsumgüter her.
Johnson & Johnson dürfte nicht der einzige Kosmetikkonzern sein, der sich wegen der Verwendung von Talkum in Pudern Klagen gegenübersieht. Seit Jahrzehnten stehe Talk – in pulverisierter Form spricht man von Talkum – im Verdacht, krebserregend sein zu können, schreibt Wikipedia.
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag gibt den Stand vom Oktober 2016 wieder. Mehrere der damaligen Jury-Urteile wurden später in Berufungsverfahren aufgehoben oder verringert. Johnson & Johnson hat den Verkauf von talkumhaltigem Babypuder in Nordamerika 2020 eingestellt und 2022 angekündigt, ihn ab 2023 weltweit durch ein Puder auf Maisstärkebasis zu ersetzen. Der Konzern bestreitet weiterhin, dass sein Talkumpuder Krebs verursacht.